Key Takeaways
- Bullenmärkte sind Phasen steigender Kurse und Optimismus, die meist durch starke Nachfrage und ein relativ begrenztes Angebot angetrieben werden.
- Bärenmärkte umfassen längere Kursrückgänge und negative Stimmung, was Spekulationen verringern und Bewertungen näher an nachhaltige Niveaus bringen kann.
- Das Verständnis dieser Zyklen kann Ihnen helfen, Risiken zu steuern und emotionale Entscheidungen in Phasen extremer Volatilität zu vermeiden.

Du öffnest deine Portfolio-App und siehst fast überall grüne Zahlen. Einige deiner Kryptowerte sind innerhalb einer Woche um 20 % gestiegen. In sozialen Medien erscheinen Gewinn-Screenshots und selbstbewusste Prognosen über weiter steigende Kurse.
Einige Monate später kann das Bild ganz anders aussehen. Die Kurse sind gefallen, die Schlagzeilen sind negativ und manche Marktteilnehmende fragen sich, ob sich der Kryptomarkt jemals erholen wird.
Diese Wechsel zwischen Optimismus und Pessimismus werden häufig als Bullen- und Bärenmärkte bezeichnet. Die Begriffe stammen aus der traditionellen Finanzwelt. Kryptomärkte können sich jedoch schneller bewegen, stärkere Kursschwankungen verzeichnen und auf andere Auslöser reagieren.
Ein grundlegendes Verständnis dieser Marktphasen kann helfen, Kursbewegungen und Risiken besser einzuordnen. Es ermöglicht jedoch keine zuverlässige Vorhersage der zukünftigen Marktentwicklung.
Der Bullenmarkt: Steigende Kurse und Optimismus
Ein Bullenmarkt ist eine längere Phase, in der die Kurse überwiegend steigen und eine optimistische Marktstimmung vorherrscht.
In traditionellen Märkten wird ein Anstieg von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Tief manchmal als Orientierung verwendet. Diese Schwelle ist jedoch lediglich eine Konvention und keine feste Definition. Im Kryptomarkt können Bewegungen von 20 % auch innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit auftreten.
Bullenmärkte haben keine festgelegte Dauer. Auch innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends kann es deutliche Kursrückgänge geben. Entscheidend ist die allgemeine Kursentwicklung über einen längeren Zeitraum.
Wie ein Bullenmarkt entsteht
Steigende Kurse können weiteres Kaufinteresse auslösen. Einige Marktteilnehmende kaufen aufgrund ihrer Einschätzung des langfristigen Potenzials. Andere reagieren hauptsächlich auf die jüngste Kursentwicklung oder auf die Sorge, eine mögliche Gelegenheit zu verpassen.
Dieses Verhalten wird häufig als FOMO bezeichnet. Die Abkürzung steht für „Fear of Missing Out“, also die Angst, etwas zu verpassen. Entscheidungen, die hauptsächlich auf FOMO beruhen, können dazu führen, dass Risiken, Kosten und Bewertungen nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Mit steigenden Kursen nimmt häufig auch die Medienberichterstattung zu. Dies kann weitere private und institutionelle Marktteilnehmende anziehen. Der dadurch entstehende Optimismus kann einen bestehenden Aufwärtstrend zeitweise verstärken.
Mögliche Auslöser eines Bullenmarkts im Kryptobereich sind:
- neue technologische Entwicklungen, etwa Smart Contracts oder Skalierungslösungen
- Netzwerk- und Protokoll-Upgrades
- eine höhere globale Liquidität
- sinkende Zinssätze oder eine lockerere Geldpolitik
- regulatorische Entwicklungen oder die Einführung neuer Kryptoprodukte
- eine steigende Nutzung bestimmter Netzwerke oder Anwendungen
Keiner dieser Faktoren garantiert steigende Kurse. Mehrere Entwicklungen können gleichzeitig wirken oder vom Markt bereits eingepreist sein.
Mögliche Anzeichen eines Bullenmarkts
-
Überwiegend steigende Kurse
Die Kurse großer Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum steigen über einen längeren Zeitraum. Häufig folgen weitere Kryptowerte dem allgemeinen Markttrend. -
Optimistische Marktstimmung
Nachrichten, soziale Medien und Stimmungsindikatoren zeigen über längere Zeit ein hohes Maß an Zuversicht. Extreme Euphorie kann allerdings auch auf eine erhöhte Risikobereitschaft hindeuten. -
Steigendes Handelsvolumen
Die Aktivität auf Handelsplattformen nimmt zu. Höheres Handelsvolumen kann auf ein breiteres Marktinteresse hinweisen, muss aber immer im Zusammenhang mit Liquidität und Kursentwicklung betrachtet werden. -
Stärkere Kursbewegungen bei Altcoins
In manchen Marktphasen entwickeln sich kleinere Kryptowährungen besser als Bitcoin. Dafür wird häufig der Begriff „Altseason“ verwendet. Solche Phasen können jedoch kurz sein. Kleinere Altcoins können bei einer Veränderung der Marktstimmung auch besonders stark fallen. -
Schnelle Erholung nach Rückgängen
Vorübergehende Kursrückgänge werden relativ schnell ausgeglichen. Marktteilnehmende interpretieren solche Bewegungen häufig als kurzfristige Unterbrechungen des übergeordneten Trends. Diese Einschätzung kann sich jederzeit als falsch erweisen.
Der Bärenmarkt: Fallende Kurse und Pessimismus
Ein Bärenmarkt ist eine längere Phase, in der die Kurse überwiegend fallen und eine negative Marktstimmung vorherrscht.
In traditionellen Märkten wird ein Rückgang von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Hoch häufig als Orientierung verwendet. Auch diese Schwelle ist keine feste Regel. Aufgrund der hohen Volatilität können Kryptowerte innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr als 20 % verlieren, ohne dass sich alle Marktbeobachter über die Einordnung der Marktphase einig sind.
In ausgeprägten Abschwüngen, die manchmal als „Kryptowinter“ bezeichnet werden, können einzelne Kryptowerte den größten Teil ihres Marktwerts verlieren. Einige Projekte erholen sich später, andere erreichen ihre früheren Höchststände nicht mehr oder werden vollständig eingestellt.
Wie ein Bärenmarkt entsteht
In einem Bärenmarkt verändert sich die Stimmung häufig von Zuversicht zu Vorsicht oder Angst. Wenn mehr Marktteilnehmende verkaufen möchten und zu den aktuellen Preisen nicht ausreichend Kaufinteresse besteht, können die Kurse weiter fallen.
Kryptomärkte sind in der Regel rund um die Uhr geöffnet. Da Kryptowerte an vielen unabhängigen und dezentralen Handelsplätzen gehandelt werden, gibt es normalerweise keinen marktweiten Mechanismus, der den gesamten Handel bei starken Kursbewegungen unterbricht. Einzelne Plattformen können den Handel jedoch vorübergehend einschränken oder aussetzen.
Ein Abschwung kann außerdem dazu führen, dass:
- gehebelte Positionen liquidiert werden
- Handelsvolumen und Liquidität zurückgehen
- spekulative Aktivitäten abnehmen
- Schwächen in Projekten und Geschäftsmodellen sichtbar werden
- Unternehmen oder Projekte mit unzureichender Finanzierung den Betrieb einstellen
Das bedeutet nicht, dass die verbleibenden Kryptowerte anschließend angemessen bewertet sind oder sich erholen werden.
Mögliche Anzeichen eines Bärenmarkts
-
Länger anhaltende Kursrückgänge
Große Kryptowährungen verlieren über Wochen oder Monate erheblich an Wert. Frühere Marktzyklen umfassten Rückgänge von mehr als 70 %. Vergangene Kursbewegungen geben jedoch keine verlässliche Auskunft über zukünftige Entwicklungen. -
Geringere Liquidität und Aktivität
Das Handelsvolumen kann sinken und Orderbücher können dünner werden. In einem weniger liquiden Markt können bereits kleinere Transaktionen stärkere Kursbewegungen auslösen. -
Steigende Korrelationen
Während ausgeprägter Abschwünge bewegen sich viele Kryptowerte in dieselbe Richtung. Individuelle Eigenschaften eines Projekts können zeitweise weniger Einfluss auf die Kursentwicklung haben als die allgemeine Marktstimmung. -
Negative Stimmung und Unsicherheit
Negative Nachrichten, regulatorische Bedenken und Online-Gerüchte können die Diskussion bestimmen. Der Begriff „FUD“ steht für „Fear, Uncertainty and Doubt“, also Angst, Unsicherheit und Zweifel. Die Bezeichnung sagt jedoch nichts darüber aus, ob eine konkrete Warnung berechtigt oder unbegründet ist.
Beispiele früherer Marktzyklen
Frühere Marktphasen zeigen, wie schnell sich die Stimmung im Kryptomarkt verändern kann. Sie liefern historischen Kontext, erlauben aber keine verlässlichen Prognosen.
Der ICO-Boom 2017
Im Jahr 2017 nahm das Interesse privater Marktteilnehmender stark zu. Initial Coin Offerings, kurz ICOs, ermöglichten es Projekten, durch die Ausgabe neuer Token Kapital zu beschaffen.
Bitcoin stieg im Dezember 2017 auf knapp 20.000 US-Dollar, damals etwa 17.000 Euro. Neben neuen technischen Ideen entstanden zahlreiche Projekte mit unklaren Geschäftsmodellen. Einige Angebote erwiesen sich später als betrügerisch oder wurden eingestellt.
Der Abschwung 2018
Nach dem Höchststand von 2017 fiel Bitcoin bis Ende 2018 um ungefähr 84 %. Zahlreiche Token aus der ICO-Phase verloren den größten Teil ihres Marktwerts. Manche verschwanden vollständig vom Markt.
Diese Phase verdeutlichte, dass stark steigende Kurse und eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit keine Hinweise auf die langfristige Funktionsfähigkeit eines Projekts sind.
DeFi und NFTs von 2020 bis 2021
In den Jahren 2020 und 2021 gewannen Smart-Contract-Plattformen, dezentrale Finanzanwendungen und nicht fungible Token an Aufmerksamkeit.
Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarkts erreichte im November 2021 zeitweise rund 3 Billionen US-Dollar. Das entsprach damals ungefähr 2,6 Billionen Euro. Die Nutzung von Blockchain-Netzwerken erstreckte sich unter anderem auf Handel, Kreditvergabe, Gaming und digitale Sammlerstücke.
Ein großer Teil dieser Aktivität war jedoch spekulativ. Hohe Bewertungen und eine schnelle Nachfrageentwicklung führten nicht bei jedem Projekt zu einer nachhaltigen Nutzung.
Der Abschwung 2022
Im Jahr 2022 belasteten steigende Zinssätze und eine sinkende Risikobereitschaft die globalen Finanzmärkte. Gleichzeitig brachen mehrere bedeutende Kryptoprojekte und Unternehmen zusammen, darunter Terra und die FTX-Gruppe.
Bitcoin fiel von knapp 69.000 US-Dollar im November 2021 auf zeitweise unter 16.000 US-Dollar im November 2022. Das entsprach ungefähr einem Rückgang von 77 %.
Der Zusammenbruch verschiedener Projekte und Unternehmen führte zu Verlusten, Liquidationen und einer geringeren Liquidität im gesamten Kryptomarkt. Er zeigte außerdem, dass Markt-, Technologie-, Verwahrungs- und Kontrahentenrisiken gleichzeitig auftreten können.
Risiken und Warnsignale
Bullen- und Bärenmärkte bringen unterschiedliche Risiken mit sich. Die folgenden Punkte können helfen, typische Verhaltensmuster und Gefahren zu erkennen, stellen aber keine Garantie gegen Verluste dar.
Warnsignale während eines Bullenmarkts
-
Betrug und Rug Pulls
Bei starkem Marktinteresse versuchen Betrüger häufig, die erhöhte Risikobereitschaft auszunutzen. Bei einem Rug Pull entziehen Entwickler oder andere Beteiligte einem Projekt plötzlich die Liquidität oder geben es auf. Der zugehörige Token kann dadurch fast seinen gesamten Wert verlieren.Öffentliche Angaben über ein Team, eine Codeprüfung oder bekannte Investoren sind kein Beweis dafür, dass ein Projekt vertrauenswürdig ist. Auch geprüfte Smart Contracts können Sicherheitslücken oder problematische Verwaltungsfunktionen enthalten.
-
FOMO und impulsive Entscheidungen
Stark steigende Kurse können den Eindruck erzeugen, dass sofortiges Handeln erforderlich ist. Dadurch werden Risiken, Gebühren, Liquidität und steuerliche Folgen möglicherweise nicht ausreichend geprüft. -
Übermäßige Hebelwirkung
Beim Handel mit Hebelwirkung wird geliehenes Kapital eingesetzt, um eine größere Position zu eröffnen. Dadurch können sowohl Gewinne als auch Verluste verstärkt werden. Bereits vergleichsweise kleine Kursbewegungen können eine automatische Liquidation auslösen und zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Risiken während eines Bärenmarkts
-
Panikverkäufe
Schnelle Kursverluste können impulsive Verkäufe auslösen. Entscheidungen, die ausschließlich auf kurzfristigen Kursbewegungen oder Angst beruhen, berücksichtigen möglicherweise nicht alle relevanten Informationen. Umgekehrt gibt es keine Garantie, dass ein gefallener Kryptowert seinen früheren Preis wieder erreicht. -
Plattform- und Kontrahentenrisiko
In schweren Abschwüngen können Handelsplattformen, Kreditgeber oder andere Dienstleister Liquiditätsprobleme, technische Ausfälle oder Insolvenzen erleben. Eine regulatorische Zulassung kann bestimmte Anforderungen an einen Anbieter stellen, schützt aber nicht vor Kursverlusten oder sämtlichen betrieblichen Risiken.Der regulatorische Status eines Anbieters lässt sich in der Unternehmensdatenbank der BaFin prüfen.
-
Risiken der Selbstverwahrung
Eine persönliche Wallet kann die Abhängigkeit von einer Handelsplattform reduzieren. Dafür trägt die Person, die die Wallet kontrolliert, selbst die Verantwortung für private Schlüssel, Wiederherstellungsphrasen und Transaktionen. Verlorene Zugangsdaten oder falsch ausgeführte Transaktionen können zu einem dauerhaften Verlust führen. -
Regelmäßige Käufe
Bei einer als Durchschnittskosteneffekt oder Dollar Cost Averaging bezeichneten Methode wird in regelmäßigen Abständen ein fester Betrag gekauft. Dadurch verteilen sich Käufe auf verschiedene Kursniveaus. Die Methode garantiert weder einen günstigen Durchschnittspreis noch einen Gewinn und schützt nicht vor anhaltenden Kursverlusten.
Betrugsverdacht in Deutschland melden
Betrügerische Handelsplattformen, gefälschte Wallets und nachgeahmte Websites können in jeder Marktphase auftreten.
Wenn du einen Betrug vermutest, leiste keine weiteren Zahlungen. Sichere Nachrichten, Transaktionsdaten, Wallet-Adressen und andere Belege. Informiere außerdem deine Bank oder Handelsplattform.
Eine mögliche Straftat kannst du bei einer Polizeidienststelle oder über die Onlinewachen der Polizeien in Deutschland melden. Aktuelle Warnungen vor unerlaubt tätigen Finanz- und Kryptodienstleistern veröffentlicht außerdem die BaFin.
Steuerliche Aspekte in Deutschland
Der Verkauf von Kryptowerten kann in Deutschland steuerliche Folgen haben. Auch der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere gilt bei privat gehaltenen Kryptowerten grundsätzlich als Veräußerung.
Gewinne können steuerpflichtig sein, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Nach einem Tausch beginnt die Jahresfrist für den neu erworbenen Kryptowert erneut.
Nach den derzeitigen Regeln bleiben Gewinne steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn aus sämtlichen privaten Veräußerungsgeschäften innerhalb eines Kalenderjahres weniger als 1.000 Euro beträgt. Dabei handelt es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag.
Käufe, Verkäufe, Tauschgeschäfte, Gebühren und verwendete Wechselkurse müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Weitere Einzelheiten enthält das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen zur ertragsteuerlichen Behandlung von Kryptowerten.
Die konkrete steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Umständen ab. Bei individuellen Fragen kann eine qualifizierte Steuerberatung helfen.
Zusammenfassung: Marktzyklen richtig einordnen
Bullen- und Bärenmärkte beschreiben längere Phasen überwiegend steigender oder fallender Kurse. Die Grenzen zwischen diesen Phasen sind nicht eindeutig und werden häufig erst im Rückblick sichtbar.
Eine optimistische Marktstimmung kann weitere Nachfrage auslösen, während Angst und sinkende Liquidität einen Abschwung verstärken können. Beide Marktphasen können zudem mit erheblichen und schnellen Kursschwankungen verbunden sein.
Das Verständnis typischer Anzeichen kann helfen, die aktuelle Marktstimmung und mögliche Risiken besser einzuordnen. Es ermöglicht jedoch weder eine zuverlässige Bestimmung des nächsten Hochs oder Tiefs noch eine Vorhersage zukünftiger Renditen.
Kryptowerte bleiben unabhängig von der Marktphase hochriskant. Auch etablierte Kryptowährungen können einen erheblichen Teil ihres Wertes verlieren.

CoinJar
CoinJar ist eine der weltweit am längsten bestehenden Kryptobörsen. Seit 2013 haben wir Hunderttausenden Menschen weltweit dabei geholfen, Bitcoin, Ethereum und Dutzende weitere Kryptowährungen im Wert von mehreren Milliarden Dollar zu kaufen, zu verkaufen und auszugeben.
Read full bio


