Key Takeaways
- Stablecoins sind Kryptowährungen, die einen festen Wert halten sollen. Dieser ist in der Regel an eine Fiat-Währung wie den US-Dollar oder den Euro oder an einen Rohstoff wie Gold gekoppelt.
- Sie verbinden die schnelle, grenzenlose Abwicklung der Blockchain-Technologie mit dem Ziel, die hohen Preisschwankungen zu verringern, die bei Vermögenswerten wie Bitcoin auftreten können.
- Menschen nutzen sie für Überweisungen, zur Erzielung von Erträgen im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) und als vorübergehenden Wertspeicher in Phasen fallender Märkte.

Stell dir vor, du möchtest mit Kryptowährung Geld an ein Familienmitglied im Ausland senden, machst dir aber Sorgen, dass der Bitcoin-Kurs vor der Bestätigung der Transaktion um 5 % fallen könnte. Oder du hast mit Ethereum einen Gewinn erzielt und möchtest ihn sichern, ohne das Geld wieder auf ein herkömmliches Bankkonto zu überweisen.
In beiden Fällen können die Kursschwankungen klassischer Kryptowährungen ein Problem sein. Stablecoins versuchen, dieses Problem zu lösen. Sie sollen die Privatsphäre, Geschwindigkeit und weltweite Verfügbarkeit von Kryptowährungen mit einem im Vergleich zu herkömmlichem Geld relativ stabilen Wert verbinden.
Was ist ein Stablecoin?
Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, die den Wert eines externen Vermögenswerts nachbilden soll. Diese Kopplung wird als „Peg“ bezeichnet. Der Kurs von Bitcoin oder Ether wird ausschließlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt, was zu schnellen und teils extremen Kursbewegungen führen kann. Ein Stablecoin ist dagegen darauf ausgelegt, sich um einen bestimmten Preis zu bewegen, meist 1,00 USD oder 1,00 EUR.
Ein Stablecoin lässt sich als eine Form von digitalem Bargeld verstehen, das auf einer Blockchain existiert. So wie du ein digitales Guthaben in einer Zahlungs-App hältst, kannst du Stablecoins in einer Krypto-Wallet halten. Der entscheidende Unterschied ist, dass Stablecoins weltweit und rund um die Uhr zwischen Personen und Plattformen übertragen werden können, ohne auf Banköffnungszeiten oder klassische internationale Überweisungssysteme angewiesen zu sein.
Wie Stablecoins ihren Wert zu halten versuchen
Um einen Token nahe an seinem Zielpreis zu halten, nutzen Emittenten in der Regel einen Reserve- oder Besicherungsmechanismus.
Bei vielen Stablecoins soll jeder ausgegebene Token durch reale Vermögenswerte mit gleichem oder höherem Wert gedeckt sein, die als Reserve gehalten werden. Möchte eine Person ihren Stablecoin gegen reguläres Geld eintauschen, sollte der Emittent den Token gegen Bargeld oder bargeldnahe Mittel einlösen und ihn anschließend aus dem Umlauf nehmen. Theoretisch soll so sichergestellt werden, dass jeder Token wieder in zugrunde liegende Vermögenswerte umgewandelt werden kann.
In der Praxis hängt das Schutzniveau davon ab, wie die Reserven verwaltet werden, wo sie verwahrt werden und wie transparent der Emittent ist. Unterschiedliche Konstruktionen nutzen unterschiedliche Methoden, und nicht alle haben dasselbe Risikoprofil.
Die vier wichtigsten Arten von Stablecoins
Stablecoins werden in der Regel danach eingeteilt, wie sie ihren Peg zu halten versuchen.
1. Fiat-besichert
Dies ist derzeit die häufigste Art am Markt. Diese Token sind durch staatlich ausgegebene Währung (Fiat) wie den US-Dollar oder Euro gedeckt, häufig zusammen mit kurzfristigen Staatsanleihen und anderen hochliquiden Instrumenten.
- Beispiele: USDC, EURC
- So funktioniert es: Sind 1 Milliarde Token im Umlauf, sollte der Emittent ungefähr 1 Milliarde Einheiten dieser Währung oder gleichwertige hochwertige Vermögenswerte, etwa Bargeld und kurzfristige Staatsanleihen, auf Bankkonten oder bei Verwahrstellen halten.
Im Rahmen von MiCA unterliegen Emittenten bestimmter fiat-gestützter Stablecoins in der EU besonderen regulatorischen Anforderungen an Reserven, Offenlegung und Governance. Das soll den Verbraucherschutz stärken, schließt Risiken aber nicht vollständig aus.
2. Krypto-besichert
Diese Stablecoins sind durch andere Kryptowährungen gedeckt, nicht durch Bargeld bei einer Bank. Da Krypto-Sicherheiten wie Ethereum volatil sind, nutzt das System eine „Überbesicherung“, um stabil zu bleiben.
- Beispiel: USDS
- So funktioniert es: Um Stablecoins im Wert von 100 US-Dollar zu erstellen (zu minten), muss eine Person möglicherweise Ethereum oder einen anderen zugelassenen Vermögenswert im Wert von 150 US-Dollar in einem Smart Contract hinterlegen.
Fällt der Wert der Sicherheit zu stark, kann das Protokoll sie automatisch verkaufen (liquidieren), damit immer genügend Deckung hinter dem Stablecoin steht.
Dieses Modell verringert einige Zentralisierungsrisiken, bringt jedoch Smart-Contract- und Marktrisiken mit sich.
3. Rohstoff-besichert
Rohstoff-besicherte Stablecoins sind an den Wert physischer Vermögenswerte gekoppelt, am häufigsten an Gold.
- Beispiel: PAX Gold (PAXG).
- So funktioniert es: Jeder Token steht für eine bestimmte Menge eines realen Rohstoffs, zum Beispiel eine Feinunze Gold, die in sicheren Tresoren gelagert wird.
So können Nutzer in digitaler, leicht teilbarer Form ein Engagement in Vermögenswerten wie Gold erhalten, ohne sich selbst um Lagerung oder Versicherung kümmern zu müssen.
4. Algorithmisch und synthetisch
Algorithmische und synthetische Stablecoins sind die komplexeste und experimentellste Kategorie. Statt vollständige Reserven in Bargeld oder Krypto zu halten, nutzen sie Algorithmen, Smart Contracts, Derivate oder Absicherungsstrategien, um einen stabilen Preis anzustreben.
- Beispiel: Ethena (USDe).
- So funktioniert es: Das System kann das Angebot an Token automatisch erhöhen oder verringern oder Futures und andere Finanzinstrumente einsetzen, um Kursbewegungen auszugleichen und den Token nahe an seinem Peg zu halten.
Einige dieser Projekte sind in der Vergangenheit gescheitert, wobei Token dauerhaft ihre Bindung verloren haben. Diese Kategorie ist in der Regel risikoreicher als vollständig besicherte Stablecoins.
Rein algorithmische Stablecoins wie TerraUSD (UST), die vollständig auf Code und Token-Mechanismen ohne echte Vermögensdeckung setzten, gelten heute weitgehend als überholt.
Ethenas USDe nutzt algorithmische Strategien und wird oft als „synthetischer Dollar“ bezeichnet. Anders als UST ist USDe jedoch durch Krypto-Vermögenswerte (gestaktes Ethereum) gedeckt und nutzt Derivatkontrakte, um Kursbewegungen abzusichern.
Das bedeutet, dass tatsächlich Sicherheiten hinterlegt sind, anders als bei rein algorithmischen Modellen, die zusammenbrachen, als das Marktvertrauen einbrach.
Praxisbeispiele: Wie Stablecoins genutzt werden
Stablecoins begannen als Werkzeug für Krypto-Trader, doch ihre Nutzung hat sich mit der Zeit erweitert.
Globale Überweisungen
Geld über Grenzen hinweg per Bank oder Geldtransferdienst zu senden, kann langsam und teuer sein. In einigen Korridoren können die Gebühren über 5 % des Gesamtbetrags liegen.
Mit Stablecoins kann eine sendende Person Token für Euro oder eine andere lokale Währung kaufen und diese je nach genutzter Blockchain innerhalb weniger Minuten an die digitale Wallet einer empfangenden Person übertragen. Die empfangende Person kann die Stablecoins dann halten, sie über einen Dienst in ihrer Region in ihre lokale Währung umtauschen oder sie innerhalb von Krypto-Plattformen verwenden.
Wechselkurse und Gebühren fallen weiterhin an, wenn man in das Krypto-Ökosystem ein- oder aus ihm heraustritt, und lokale Vorschriften können die Nutzung in manchen Ländern einschränken.
Dezentrale Finanzen (DeFi)
Stablecoins spielen in vielen DeFi-Protokollen eine zentrale Rolle. Nutzer können ihre Stablecoins an andere verleihen, Liquidität für Handelspools bereitstellen oder sie in verschiedene On-Chain-Produkte einzahlen, die Renditen in Aussicht stellen.
Da der Zielpreis eines Stablecoins relativ stabil ist, lassen sich Erträge im Vergleich zur Nutzung volatiler Vermögenswerte wie Bitcoin leichter beziffern. Die Renditen in DeFi können jedoch stark schwanken und sind niemals garantiert. Nutzer sind Risiken durch Protokolldesign, Smart-Contract-Fehler, Marktbewegungen und in manchen Fällen Betrug ausgesetzt.
Handel und vorübergehender Kapitalschutz
Wenn Kryptomärkte unruhig werden, tauschen Händler volatile Vermögenswerte wie BTC oder ETH häufig in Stablecoins um. So können sie ihr Engagement in Kursschwankungen verringern und dennoch im Krypto-Ökosystem bleiben.
Eine Person könnte beispielsweise Bitcoin im Wert von 5.000 EUR auf einer Handelsplattform in einen Euro- oder Dollar-Stablecoin verkaufen und abwarten, bis sich die Marktbedingungen bessern, bevor sie wieder Positionen eingeht. Das kann praktischer sein, als Gelder auf ein Bankkonto zurückzuüberweisen. Die steuerliche Behandlung hängt von den Regeln des jeweiligen Landes ab. In vielen Rechtsordnungen kann der Tausch eines Krypto-Assets in ein anderes ein steuerlich relevanter Vorgang sein.
Stablecoins sind kein Ersatz für durch Einlagensicherung geschützte Bankeinlagen und bieten nicht dieselben rechtlichen Schutzmechanismen wie regulierte Sparprodukte.
Risiken und Warnsignale
Stablecoins werden oft als „sicher“ dargestellt, bringen aber eigene Risiken mit sich. Es ist wichtig, diese zu verstehen, bevor man sie nutzt oder hält.
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Entkopplungsereignisse:
In Stressphasen, bei technischen Problemen oder bei Vertrauensverlust kann ein Stablecoin von seinem Zielpreis abweichen, etwa auf 0,95 USD statt 1,00 USD. Einige Stablecoins sind später zu ihrem Peg zurückgekehrt, andere haben sich nie vollständig erholt. Es gibt keine Garantie, dass ein bestimmter Stablecoin seinen Zielwert hält. -
Qualität und Transparenz der Reserven:
Bei fiat- und rohstoff-besicherten Stablecoins müssen Nutzer darauf vertrauen, dass der Emittent die angegebenen Reserven tatsächlich hält und dass diese von hoher Qualität und ausreichend liquide sind. Seriöse Emittenten veröffentlichen regelmäßige Berichte oder Bescheinigungen unabhängiger Dritter. Bescheinigungen sind jedoch nicht dasselbe wie vollständige Prüfungen und beruhen auf Informationen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorlagen. Fehlt eine klare, häufige und detaillierte Berichterstattung, ist das ein Warnsignal. -
Zentralisierung und Kontrolle:
Viele große Stablecoins werden von privaten Unternehmen ausgegeben. Diese Emittenten können und müssen in bestimmten Fällen rechtlichen Anordnungen nachkommen, um Gelder einzufrieren, bestimmte Wallet-Adressen zu sperren oder Token einzulösen. Das kann der Strafverfolgung und der Einhaltung von Vorschriften dienen, bedeutet aber auch, dass Nutzer sich auf eine zentrale Partei verlassen, die den Zugang zu Geldern in bestimmten Situationen einschränken kann. -
Gegenparteien- und Betriebsrisiko:
Inhaber sind darauf angewiesen, dass der Emittent und seine Partner, etwa Banken und Verwahrstellen, zahlungsfähig und gut geführt bleiben. Probleme wie Insolvenz, eingefrorene Bankkonten, Cyberangriffe oder schlechtes Risikomanagement können die Fähigkeit des Emittenten beeinträchtigen, Einlösungen zu erfüllen. Im Extremfall können Nutzer einen Teil oder ihre gesamten Bestände verlieren. -
Regulatorisches und rechtliches Risiko:
Die Regeln für Stablecoins entwickeln sich weltweit weiter. In der EU führt MiCA spezifische Kategorien ein, etwa E-Geld-Token und wertreferenzierte Token, mit Vorgaben zu Lizenzen, Reserven und Offenlegung. Einige bestehende Stablecoins erfüllen diese Standards möglicherweise nicht oder könnten künftig eingeschränkt werden. Änderungen der Regulierung können Verfügbarkeit, Liquidität und rechtliche Ansprüche der Inhaber beeinflussen.
Kein Stablecoin ist völlig risikofrei. Vor der Nutzung ist es sinnvoll, die Unterlagen des Emittenten, den regulatorischen Status, Reserveberichte und die Rechtsordnungen zu prüfen, in denen er tätig ist.
Die Zukunft der Stablecoins
Mit der zunehmenden Reife der Kryptoindustrie werden Stablecoins im etablierten Finanzwesen immer sichtbarer. In Europa schafft der MiCA-Rahmen klarere Regeln für Emittenten, die Stablecoins öffentlich anbieten möchten. Dazu gehören Anforderungen an das Reservemanagement, die Governance, die Offenlegung und den Umgang mit Beschwerden.
Gleichzeitig prüfen klassische Finanzinstitute tokenisierte Einlagen und andere digitale Geldlösungen, die Stablecoins in mancher Hinsicht ähneln, aber innerhalb des regulierten Bankensystems ausgegeben werden. Große Zahlungsdienstleister und Banken testen oder starten eigene Produkte, um die Abwicklung zu beschleunigen und Kosten im Backoffice zu senken.
In den kommenden Jahren könnten Stablecoins neben Zentralbankgeld, Guthaben bei Geschäftsbanken und anderen digitalen Zahlungsmitteln bestehen. Sie könnten nicht nur von Krypto-Tradern, sondern auch von Unternehmen und Privatpersonen für grenzüberschreitende Zahlungen, E-Commerce und On-Chain-Finanzdienstleistungen genutzt werden. Wie weit sich das durchsetzt, wird von der Regulierung, dem Vertrauen der Nutzer und davon abhängen, wie gut Emittenten Risiken steuern.

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